Cão da Serra da Estrela
Portugals Bergwächter: seinem Hirten ergeben, allen anderen gegenüber skeptisch.
Eckdaten
| Größe | Groß · 62–73 cm |
| Gewicht | 35–60 kg · Rüden 45–60, Hündinnen 35–45 |
| Lebenserwartung | 10–12 Jahre |
| Energie | Mäßig — lange langsame Runden, keine Sprints |
| Haaren | Stark — dichte Unterwolle, kräftiger Fellwechsel |
| Fell | Lang oder kurz · gelb, fahl, wolfsgrau oder gestromt, meist mit Maske |
| Gruppe | Gebrauchshunde · Berghunde (FCI-Standard Nr. 173, Gruppe 2) |
| Herkunft | Serra da Estrela, Portugal |
Rassemerkmale
Freundlichkeit
Pflege
Kopf
Wesen
Der FCI-Standard sagt es in einem Satz: unzertrennlicher Gefährte des Hirten und treuer Herdenschützer, misstrauisch gegenüber Fremden, seinem Herrn gegenüber gewöhnlich fügsam. Beide Hälften stimmen. Ein Estrela, der dich zu den Seinen zählt, ist ruhig, körperlich anhänglich und ungewöhnlich geduldig mit Kindern und mit langsamen älteren Menschen, und den größten Teil des Tages tut er sehr wenig. Ein Estrela, der dich noch nicht eingeordnet hat, stellt sich zwischen dich und das Haus und bleibt dort stehen. Er bewacht mit Urteil statt mit Lärm: Er beobachtet einen Ankömmling eine Weile, bevor er sich festlegt, und danach revidiert er seine Meinung nur langsam. Portugiesische Züchter beschreiben einen Hund, der schnell lernt und trotzdem keinen Grund sieht, dir irgendetwas zu wiederholen.
Gewohnheiten & Marotten
Der Haken verrät ihn
Die Rute hängt mindestens bis zum Sprunggelenk, ist säbelförmig gebogen und endet in einem Haken. In Bewegung hebt sie sich über die Waagerechte und schwingt nach oben, nach vorn und zur Seite, ohne je flach über der Kruppe zu liegen. Richter werten einen fehlenden Haken als Fehler, deshalb schauen Züchter schon im Wurfkasten danach.
Hält das Tor
Territorium ist die Aufgabe. Der Hund sucht sich die Grenze, findet heraus, wo die Zugänge liegen, und legt sich dorthin, wo er sie im Blick hat. Mit Besuch geht es deutlich besser, wenn du den Hund vor dem Tor zu den Leuten führst, statt sie einfach hereinlaufen zu lassen.
Patrouilliert im Schritt
Sein Brustkorb reicht nicht bis zur halben Widerristhöhe, und die Kruppe liegt auf Schulterhöhe oder knapp darüber: ein Bau für ganze Tage in unwegsamem Gelände, nicht fürs Stehen. Rechne mit einem Hund, der lieber drei Stunden geht als zwanzig Minuten rennt.
Hat auch gezogen
Zugarbeit steht im Standard gleichberechtigt neben dem Bewachen. In den Dörfern unterhalb des Gebirges zogen diese Hunde kleine Karren, und die Rasse hat Rahmen und Schulter dafür behalten.
Pflege
| Bewegung | Eine Stunde ruhiges Gehen am Tag oder mehr, am besten in Gelände mit etwas Steigung. Es geht um Ausdauer, nicht um Tempo. Junge Hunde hältst du von langen Zwangsmärschen und von Treppen fern, solange die Gelenke noch nicht fertig sind. |
| Fellpflege | Die Langhaarvarietät wird zwei- bis dreimal pro Woche gebürstet; die Befederung hinter den Vorderläufen, am Hals und an der Rute prüfst du dabei auf Verfilzungen. Der Kurzhaarvarietät reicht einmal pro Woche. Beide tragen dieselbe dichte Unterwolle, und beide werfen sie zweimal im Jahr in ganzen Platten ab. |
| Erziehung und Besuch | Sozialisiere früh und gründlich, und hör nach dem ersten Jahr nicht damit auf. Arbeit über Belohnung passt zu dieser Rasse, Härte nicht: Ein Hund dieser Größe, der gelernt hat zu diskutieren, ist kein Problem, das du über die Hand löst. Bring ihm ein Platz-Signal und eine feste Begrüßungsroutine bei, bevor du beides brauchst. |
| Gesundheit | Zuerst die Hüften. Lass dir für beide Elterntiere die HD-Auswertung nach FCI-Schema zeigen (in Deutschland liest die GRSK die Aufnahmen aus), dazu ED, Patella und einen Herzcheck, und erwarte einen Züchter, der das von sich aus auf den Tisch legt. Das zweite Risiko bringt der tiefe Brustkorb mit: Magendrehung. Füttere in mehreren kleinen Portionen und kenne die Anzeichen. |
Häufige Fragen
Funktioniert ein Estrela ohne Vieh und ohne Land?
Manchmal, und es hängt mehr am Haushalt als an der Fläche. Der Schutztrieb braucht keine Schafe, um anzuspringen: Ohne Herde ernennt der Hund eben deine Familie und deine Grundstücksgrenze zu seiner Aufgabe. Genau deshalb ist eine Mietwohnung mit gemeinsamem Treppenhaus und ständig fremden Leuten die schwierigste Umgebung, die es für ihn gibt. Was er wirklich braucht: ein sicher eingezäuntes Stück Land, das er als seines ansehen darf, eine Stunde Spaziergang oder mehr, jemanden, der ein Hundeleben lang jede Begegnung moderiert, und Nachbarn, die weit genug weg wohnen, um mit tiefem Bellen in der Nacht zu leben. Mit einem normalen Haus samt Garten und ehrlicher Sozialisierungsarbeit klappt das gut. Wer sich als Ersthundemensch einen unkomplizierten großen Familienhund gewünscht hat, sollte sich eine andere Rasse ansehen.
Was unterscheidet Lang- und Kurzhaarvarietät?
Nur das Fell. Die FCI führt beide unter demselben Standard, mit gleichem Bau, gleichem Wesen und gleichen Farben. Der Langhaarige trägt ein glattes bis leicht gewelltes Deckhaar mit Befederung an Rute, Hals, Hinterbacken und der Rückseite der Vorderläufe; der Kurzhaarige hat kurzes, gleichmäßig über den Körper verteiltes Haar und gar keine Befederung. Beide haben die grobe Ziegenhaar-Textur und die feine Unterwolle, beide haaren also kräftig. Das lange Fell ist das Bild, das die meisten im Kopf haben, und im Ausstellungsring das erfolgreichere; die portugiesischen Hirten bevorzugen bis heute das kurze, aus dem naheliegenden Grund, dass es am Berg so gut wie keine Pflege braucht.
Wie ist er mit Besuch und mit anderen Hunden?
Zurückhaltend mit Besuch, und zwar von Haus aus: Der Standard führt Misstrauen gegenüber Fremden als Rassemerkmal, nicht als Mangel. Die meisten akzeptieren Menschen, die die Familie sichtbar akzeptiert, besonders wenn sie ihnen zuerst außerhalb des Grundstücks begegnen. Wenige freuen sich je über einen Fremden, und ein nervöser oder aufdringlicher Gast bekommt eine kühle Antwort. Mit anderen Hunden ist es mehr Arbeit: Gleichgeschlechtliche erwachsene Hunde können empfindlich reagieren, und ein fremder Hund, der auf dem eigenen Grundstück auftaucht, gilt als Eindringling. Frühe, breite Sozialisierung macht einen echten Unterschied, und in der Öffentlichkeit bleibt die Leine ein Hundeleben lang vernünftig.