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Österreichischer Pinscher

Österreichischer Pinscher

Der Pinscher vom österreichischen Bauernhof, wieder aufgebaut aus einem einzigen Deckrüden.

Auf einen Blick: Der Österreichische Pinscher ist ein kräftiger mittelgroßer Bauernhund (42–50 cm), länger im Körper als hoch; der FCI-Standard legt das Verhältnis von Höhe zu Länge auf 9 zu 10 fest. Er kommt von den österreichischen Kleinbauernhöfen, wo die alten Landpinscher die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hindurch die Ratten in den Ställen kurzhielten, das Vieh trieben und das Tor bewachten. Emil Hauck begann 1921, auf einen festen Typ zu züchten, und der ÖKV erkannte die Rasse am 16. Oktober 1928 als Österreichischer kurzhaariger Pinscher an. Das kurzhaarig fiel im Jahr 2000 aus dem Namen. Dazwischen wäre sie beinahe erloschen: In den 1970er-Jahren war ein einziger eingetragener Deckrüde übrig, Diokles von Angern, und die Zucht baute mit nicht eingetragenen Landpinschern vom Hof wieder auf, die das Zuchtbuch bis heute aufnimmt. Herausgekommen ist ein dichtes Stockhaar in Rotgelb, Braungelb, Hirschrot oder Schwarz mit braunen Abzeichen, meist gebrochen von Weiß an Fang, Brust, Pfoten und Rutenspitze, dazu ein birnenförmiger Kopf mit kleinen Knopfohren und die Aufgabe, die die FCI bis heute in den Standard druckt: Wach- und Begleithund.

Eckdaten

GrößeMittelgroß · 42–50 cm (Rüden 44–50, Hündinnen 42–48)
Gewicht12–18 kg
Lebenserwartung12–14 Jahre
EnergieMäßig bis hoch — ein Arbeitstag auf dem Hof, kein Sportprogramm
HaarenMittel — dichte Unterwolle, zweimal im Jahr deutlich mehr
FellKurzes bis mittellanges Stockhaar · rotgelb, braungelb, hirschrot oder schwarz mit braunen Abzeichen, meist mit weißen Abzeichen
GruppeGebrauchshund · Pinscher (FCI-Standard Nr. 64, Gruppe 2)
HerkunftAustria

Rassemerkmale

Freundlichkeit

Anhänglich in der Familie
Gut mit Kindern
Gut mit anderen Hunden
Offenheit gegenüber Fremden

Pflege

Haarverlust
Pflegeaufwand
Allgemeine Gesundheit
Sabbern

Kopf

Trainierbarkeit
Energielevel
Bellen
Problemlösung

Wesen

Der FCI-Standard nennt den Österreichischen Pinscher einen unbestechlichen Wächter, und mit dieser Zeile solltest du planen. Er ist durchsetzungsfähig, lebhaft und verspielt, mit seinen eigenen Leuten offen zärtlich und dauerhaft interessiert an den Rändern dessen, was er als sein Zuhause definiert hat. Fremde werden gemeldet, laut und früh; die Stimme ist tiefer, als die Größe vermuten lässt. Bauern wollten genau das, und niemand hat es ihm wieder weggezüchtet. Der Jagdtrieb läuft in die andere Richtung — der Standard nennt ihn nur schwach ausgeprägt —, dieser Hund verschwindet also nicht hinter einer Hecke hinter dem Hasen her und bleibt auf dem Spaziergang meist in Sichtweite. Was er braucht, ist jemand, der entscheidet, wer willkommen ist. Überlässt man ihm das allein, landet er bei Misstrauen und wird gegenüber fremden Hunden genauso schnell scharf wie gegenüber fremden Menschen.

BreedQuest-Zensus: Vom ÖKV am 16. Oktober 1928 anerkannt, von der FCI 1954 endgültig aufgenommen und heute als Standard Nr. 64 in Gruppe 2, Sektion 1.1 geführt; der VDH verzeichnete bis 2018 in den meisten Jahren keinen einzigen Welpen, 2019 dann 28.

Gewohnheiten & Marotten

Das Tor ist der Job

Zu jedem Gang nach draußen gehört eine Runde an der Grundstücksgrenze. Den Hof zu bewachen war der ganze Sinn der Rasse, und der Hund behandelt die Zaunlinie bis heute als Strecke, die abgegangen werden muss.

Meldet zuerst, prüft danach

Erst kommt das Bellen, dann die Beurteilung. Ein Paketwagen bekommt dieselbe Lautstärke wie ein Einbrecher, und den Unterschied muss man ihm beibringen, statt ihn vorauszusetzen.

Langer Körper, kurze Läufe

Gebaut auf 9 zu 10, Höhe zu Länge, bewegt er sich im tiefen, raumgreifenden Trab statt im Sprint. Er geht den ganzen Tag und sieht dabei selten aus, als hätte er es eilig.

Bleibt in Sichtweite

Weil kaum Jagdtrieb da ist, hält er sich auf dem Spaziergang in Blickkontakt auf, statt vorauszupreschen. Wer vorher einen Terrier hatte, findet den Rückruf geradezu erholsam.

Pflege

BewegungRund eine Stunde draußen am Tag, am liebsten mit Gelände zum Ablaufen und etwas zum Beobachten. Lange Spaziergänge, Arbeit auf dem Hof und Nasenspiele passen ihm deutlich besser als wiederholte Übungsfolgen.
FellpflegeEinmal wöchentlich bürsten hält das dichte, kurze bis mittellange Stockhaar in Ordnung, häufiger, wenn im Frühjahr und Herbst die Unterwolle fällt. Er bleibt sauber, braucht selten ein Bad und verlangt sonst nichts außer Krallen und Zähnen.
TrainingFang ab der ersten Woche zu Hause bei Besuch, Türklingel und fremden Hunden an. Das ist ein selbstbewusster Hund, der über einen Fremden selbst entscheidet, wenn es niemand vor ihm tut, und über Belohnung an einem ruhigen Platz zu arbeiten ist mehr wert als jeder Obedience-Titel.
GesundheitInsgesamt robust, ohne gut dokumentierte rassespezifische Erkrankung. Die eigentliche Frage ist der Genpool: Frag in der Zucht nach der Tiefe der Ahnentafel, danach, wie viel Landpinscher-Blut hinter dem Wurf steht, und nach Untersuchungen zu Hüfte und Augen.

Wie viel Futter braucht ein Österreichischer Pinscher? →

Häufige Fragen

Bellt ein Österreichischer Pinscher viel, und passt er in eine Wohnung?

Ja, er bellt, und eine Wohnung passt schlecht. Die Rasse wurde gehalten, um einen Hof zu bewachen, der FCI-Standard nennt sie einen unbestechlichen Wächter, und das Bellen ist das Bewachen — es löst bei Schritten im Treppenhaus aus, an der Nachbarstür, bei allem, was das Revier quert. Training bringt ihm bei, was eine Meldung verdient, und kürzt den Ausbruch ab; abschalten lässt es sich nicht. In einem Haus mit Garten und etwas Abstand zu den Nachbarn ist das ein Vorzug. Im Mehrfamilienhaus ist es eine Beschwerde mit Anlauf, und daran ändert auch mehr Bewegung nichts.

Was unterscheidet ihn vom Deutschen Pinscher?

Andere Hunde, andere Aufgaben. Der Deutsche Pinscher ist ein glatter, hochläufiger Rattenfänger mit kurzem, einfachem Haar, echtem Beutetrieb und 45–50 cm Athletik. Der Österreicher ist kräftig und tiefer gestellt, gebaut auf 9 zu 10 in Höhe zu Länge, und trägt dichtes Stockhaar mit weißen Abzeichen an Fang, Brust und Pfoten. Sein Jagdtrieb ist nach Standard nur schwach, das Bewachen ist die starke Seite. Sie stehen in derselben FCI-Sektion und längst nicht im selben Haushalt.

Wie schwer ist einer zu bekommen?

Schwer. Die Rasse kam mit einem einzigen eingetragenen Deckrüden durch die 1970er-Jahre und ist seither klein geblieben, mit Würfen vor allem in Österreich und Deutschland und einer Handvoll anderswo. Der VDH verzeichnete vor 2018 in den meisten Jahren überhaupt nichts. Rechne damit, dass der Weg über den österreichischen Rasseklub führt, dass es eine Warteliste gibt und dass die Zuchtstätte dich nach einem Garten fragt, lange bevor du nach dem Preis fragen darfst.

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