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Russkiy Toy

Russkiy Toy

In Moskau neu aufgebaut, aus Hunden ohne Papiere — und längst kein Terrier mehr.

Auf einen Blick: Der Russkiy Toy ist ein kleiner, hochbeiniger, feinknochiger Begleithund von 22–27 cm und höchstens 3 kg, gezüchtet in zwei Haararten: kurz und lang, mit Fransen an den Ohren. Angefangen hat er als English Toy Terrier, vor 1917 einer der beliebtesten kleinen Hunde Russlands. Zwischen 1920 und 1950 kam die Zucht reiner Toy Terrier dort fast zum Erliegen, und die Zahlen fielen, so formuliert es die FCI selbst, auf ein kritisches Niveau. Mitte der Fünfziger fingen russische Züchter mit dem an, was sie auftreiben konnten — meist ohne Ahnentafel und nicht durchweg reinrassig. Das lange Haar kam am 12. Oktober 1958 durch Zufall dazu: Zwei kurzhaarige Eltern, davon eines eine Spur länger im Haar, brachten einen Rüden mit Fransen an Ohren und Läufen. Die Züchter behielten das Merkmal, statt es wegzuzüchten, und daraus wurde der Moskauer Langhaarige Toy Terrier, vor allem durch die Arbeit von Jewgenija Scharowa. Vierzig Jahre abgeschottete Zucht ließen etwas übrig, das kein English Toy Terrier mehr war: Als die FCI die Rasse 2006 vorläufig und 2017 endgültig aufnahm, strich sie das Wort Terrier aus dem Namen und stellte sie in Gruppe 9 zu den Gesellschaftshunden.

Eckdaten

GrößeSehr klein · 22–27 cm
Gewicht1,5–3 kg
Lebenserwartung12–14 Jahre
EnergieMittel — 30–45 Min. am Tag, dazu Spiele in der Wohnung
HaarenGering — wenig und ganzjährig, bei beiden Haararten
FellKurz- oder Langhaar · Schwarz, Braun, Blau oder Lilac mit Loh; Rot, Falb oder Creme
GruppeGesellschafts- und Begleithunde · Kontinentaler Zwergspaniel und Russkiy Toy (FCI-Standard Nr. 352, Gruppe 9) · AKC
HerkunftMoscow, Russland

Rassemerkmale

Freundlichkeit

Anhänglich in der Familie
Gut mit Kindern
Gut mit anderen Hunden
Offenheit gegenüber Fremden

Pflege

Haarverlust
Pflegeaufwand
Allgemeine Gesundheit
Sabbern

Kopf

Trainierbarkeit
Energielevel
Bellen
Problemlösung

Wesen

Der FCI-Standard erledigt ihn in einer Zeile: aktiv, sehr fröhlich, weder ängstlich noch aggressiv. Der letzte Teil steht da nicht umsonst, denn ein Zwerghund kann auf genau zwei Arten misslingen — er schreckt vor allem zurück, oder er schnappt zuerst —, und der Standard schließt beides aus. Ein gut gezüchteter Russkiy Toy ist neugierig auf die Welt, will in dem Zimmer sein, in dem gerade etwas passiert, und hängt an einem Menschen so sehr, dass er ihm überallhin folgt. Er ist aufmerksam und meldet die Tür. Außerdem hält er sich für einen Labrador, was zu Hause charmant ist und im Park zur echten Gefahr wird. Erziehen lässt er sich leicht. Die übliche Klage über die Rasse ist auch nicht Sturheit, sondern dass sich niemand die Mühe gemacht hat, ihm etwas beizubringen — er wiegt ja nur zwei Kilo.

BreedQuest-Zensus: Die FCI hat die Rasse 2006 vorläufig und 2017 endgültig anerkannt und die neunte Sektion der Gruppe 9 nach ihr umbenannt: Kontinentaler Zwergspaniel und Russkiy Toy.

Gewohnheiten & Marotten

Kommt rauf und nicht wieder runter

Sofalehnen, Fensterbänke, Armlehnen, deine Schulter. Die meisten Tierarztbesuche dieser Rasse beginnen mit einem Sturz vom Möbelstück oder aus jemandes Armen, nicht mit irgendetwas, das draußen passiert ist.

Sucht sich einen Menschen aus

Der Standard sagt: seinem Besitzer sehr ergeben. Im Alltag heißt das ein Hund, der mitzieht, sobald du dich bewegst, und sich lieber an ein Bein legt als auf ein Körbchen am anderen Ende des Zimmers.

Funktioniert als Türklingel

Große Stehohren an einem neugierigen Hund bekommen alles im Treppenhaus mit. In den ersten Monaten lässt sich das leicht in Bahnen lenken; wenn es ein halbes Jahr lang lustig war, wirst du es schwer wieder los.

Sucht die warme Stelle

Dünne Haut, feine Knochen, und beim Kurzhaar überhaupt keine Unterwolle. Er liegt unter der Decke oder im Pullover, und für einen deutschen Winter braucht er einen Mantel.

Pflege

BewegungDreißig bis fünfundvierzig Minuten echtes Laufen am Tag, am Geschirr statt am Halsband, dazu Spiele in der Wohnung. Er hat mehr Ausdauer, als die Größe vermuten lässt, und ein gelangweilter Russkiy Toy wird laut.
FellpflegeDas kurze Haar braucht einmal pro Woche einen Noppenhandschuh. Das lange braucht zweimal pro Woche den Kamm, vor allem an den Ohrfransen und an den Federn hinter den Läufen, die genau dort verfilzen, wo niemand hinsieht. Geschoren wird keine der beiden Varianten: Getrimmtes Haar ist im Standard ein disqualifizierender Fehler.
GesundheitFrag die Züchterin oder den Züchter nach Patellaluxation, nach den Augen und nach der Fontanelle — bleibt sie nach neun Monaten offen, disqualifiziert der Standard. Milchzähne, die mit sechs bis neun Monaten nicht ausfallen wollen, müssen meist gezogen werden, und danach ist tägliches Zähneputzen in einem so engen Gebiss keine Kür. Sehr kleine Welpen können zwischen den Mahlzeiten unterzuckern, deshalb fressen sie wenig und oft, bis sie in ihr Gewicht hineingewachsen sind.
TrainingDerselbe Lehrplan wie bei einem 30-Kilo-Hund, nur auf kleinerem Raum: Leinenführigkeit, Rückruf, sich beim Tierarzt anfassen lassen, ruhig bleiben, wenn es klingelt. Er lernt schnell und hat Spaß daran. Wer ihn hochnimmt und an allem Unangenehmen vorbeiträgt, hat am Ende einen Hund, der die Hundefriseurin beißt.

Wie viel Futter braucht ein Russkiy Toy? →

Häufige Fragen

Kurzhaar oder Langhaar?

Der Standard beschreibt denselben Hund zweimal, und beide Varianten laufen um dieselben Titel — es geht hier also um Haar und Pflege. Das kurze Haar liegt eng an, glänzt und braucht einmal die Woche den Noppenhandschuh. Das lange misst am Körper 3 bis 5 cm, mit Federn hinter den Läufen und einer Fransenkante an den Ohren, die beim erwachsenen Hund Rand und Spitze vollständig verdecken soll. Mit acht Wochen ist davon nichts zu sehen, und es kann ein Jahr und länger dauern, bis alles ausgewachsen ist — beurteile die Ohren eines Langhaar-Welpen also nicht am Tag des Kennenlernens. In einem Wurf können beide Haararten fallen, und zwei kurzhaarige Eltern können langhaarige Welpen bringen: Genau so hat die Variante 1958 angefangen.

Passt er in einen Haushalt mit kleinen Kindern?

Meistens nicht, und das liegt an der Physik und nicht am Wesen. Ein erwachsener Hund wiegt 1,5 bis 3 kg auf feinen Knochen. Ein Kleinkind, das über ihn stolpert, sich auf ihn setzt oder ihn aus Brusthöhe fallen lässt, bricht ihm ein Bein, und solche Unfälle passieren schnell genug, dass Aufsicht nicht immer hilft. Ein kleiner Hund, der gelernt hat, dass Hände gefährlich sind, knurrt erst und beißt dann, weil das Leisere nichts gebracht hat. Mit ruhigen Kindern ab etwa acht, denen man beigebracht hat, den Hund zu sich kommen zu lassen und ihn auf dem Boden in Ruhe zu lassen, ist er ein guter Familienhund. Mit einem Zweijährigen im Haus lautet die ehrliche Antwort: noch ein paar Jahre warten oder etwas Robusteres nehmen.

Ist der Russkiy Toy ein Terrier?

Nein, auch wenn er fünfzig Jahre lang so hieß und viele Züchter ihn bis heute so schreiben. Er stammt vom English Toy Terrier ab, und in der Sowjetzeit war er als Russischer Toy Terrier und als Moskauer Langhaariger Toy Terrier eingetragen. Bis die FCI ihn anerkannte, hatten Jahrzehnte getrennter Zucht etwas anderes daraus gemacht, und er kam in Gruppe 9 zu den Gesellschafts- und Begleithunden statt in Gruppe 3 zu den Terriern. Von der Verdrahtung eines Arbeitsterriers ist nichts übrig: kein Drang in den Bau, kein ernsthaftes Graben, keine Lust auf Streit. Geblieben ist ein Begleithund mit Meldebellen.

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