🇩🇪 Listenhunde: die Rasselisten der sechzehn Bundesländer
Deutschland hat keine bundesweite Rasseliste. Es hat sechzehn Landesgesetze, und ein Hund, der in Bayern ein Listenhund ist, kann zwei Autostunden weiter in Niedersachsen ein ganz normaler Hund sein. Fünf Länder haben ihre Liste seit 2016 gestrichen. Hier steht, was aktuell gilt — und was die Liste tatsächlich kostet.
Die eine bundesweite Regel
Nur ein Hundegesetz gilt in ganz Deutschland, und es geht um die Grenze, nicht um den Gehweg. Das Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz verbietet die Einfuhr von vier Rassen und ihren Kreuzungen: Pitbull-Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier.
Genau diese vier bilden das Rückgrat fast jeder Landesliste, weshalb sie in der Tabelle unten immer wieder auftauchen. Alles andere — was du halten darfst, unter welchen Auflagen und zu welchem Preis — ist Landesrecht.
Wie die Listen aktuell stehen
Elf Länder führen weiterhin eine Rasseliste. Fünf haben ihre gestrichen: Schleswig-Holstein 2016, Thüringen 2018, Mecklenburg-Vorpommern 2022, Brandenburg 2024 — und Niedersachsen, das seit seinem Gesetz von 2011 ohne Liste auskommt, nachdem sich neunzehn von zwanzig angehörten Sachverständigen dagegen ausgesprochen hatten.
Diese Tabelle ist eine Übersicht und nicht das Gesetz. Maßgeblich ist die Verordnung deines Landes, sie ändert sich ohne viel Aufhebens, und das Datum am Seitenende sagt dir, wann wir sie zuletzt gelesen haben.
| Bundesland | Rasseliste | Kategorie 1 | Kategorie 2 |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | Ja | American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pit Bull Terrier | Alano Español, Bullmastiff, Cane Corso, Dogo Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Mastiff, Mastín Español, Mastino Napoletano, Presa Canario, Rottweiler |
| Bayern | Ja | American Pit Bull Terrier, American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Staffordshire Bullterrier, Tosa Inu | Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Cane Corso, Dogo Argentino, Dogo Canario, Mastiff, Mastín Español, Mastino Napoletano, Perro de Presa Mallorquín, Rottweiler |
| Berlin | Ja | Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Bullterrier | — |
| Brandenburg | 2024 abgeschafft | — | |
| Bremen | Ja | Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier | — |
| Hamburg | Ja | Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier | Bullmastiff, Dogo Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Kangal, Kaukasischer Owtscharka, Mastiff, Mastín Español, Mastino Napoletano, Rottweiler, Tosa Inu |
| Hessen | Ja | Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier | Bullmastiff, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Mastiff, Mastín Español, Mastino Napoletano, Rottweiler, Tosa Inu |
| Mecklenburg-Vorpommern | 2022 abgeschafft | — | |
| Niedersachsen | 2011 abgeschafft | — | |
| Nordrhein-Westfalen | Ja | Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Bullterrier | Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Mastiff, Mastín Español, Mastino Napoletano, Rottweiler, Tosa Inu — plus every dog over 40 cm or 20 kg |
| Rheinland-Pfalz | Ja | Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier | — |
| Saarland | Ja | Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier | — |
| Sachsen | Ja | Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier | — |
| Sachsen-Anhalt | Ja | Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier | — |
| Schleswig-Holstein | 2016 abgeschafft | — | |
| Thüringen | 2018 abgeschafft | — | |
Kategorie 1 und Kategorie 2 — der Unterschied, auf den es ankommt
Länder, die ihre Liste zweiteilen, ziehen eine Grenze zwischen einer Vermutung, die du nicht widerlegen kannst, und einer, die du widerlegen kannst. Ein Hund der Kategorie 1 gilt kraft Gesetzes als gefährlich, daran ändert kein Test etwas. Bei Kategorie 2 wird Gefährlichkeit vermutet — und die Vermutung lässt sich ausräumen.
Ausgeräumt wird sie durch den Wesenstest: eine Verhaltensprüfung durch amtlich bestellte Tierärztinnen oder Sachverständige, die zeigt, wie der Hund auf Provokation, auf Fremde, auf andere Hunde und auf Lärm reagiert. Wer besteht, bekommt in vielen Ländern ein Negativzeugnis — kein Maulkorbzwang, oft keine Erlaubnispflicht, und in etlichen Kommunen fällt die erhöhte Hundesteuer auf den normalen Satz zurück. Den Test früh zu machen lohnt sich: In den meisten Städten ist er billiger als ein Jahr erhöhte Steuer.
Was ein Listenhund wirklich kostet
Vier Dinge, ungefähr in dieser Reihenfolge. Eine Erlaubnis der zuständigen Behörde, die in der Regel ein einwandfreies Führungszeugnis, den Nachweis ausreichender Mittel und ein berechtigtes Interesse an der Haltung verlangt. Ein Sachkundenachweis. Eine Haftpflichtversicherung, für Listenhunde in jedem Land mit Liste Pflicht und in sieben Ländern Pflicht für alle Hunde. Und Maulkorb und Leine im öffentlichen Raum — der Punkt, an dem sich der Alltag entscheidet.
Dazu kommt die Steuer, die die meisten am stärksten überrascht und groß genug für eine eigene Seite ist.
Die Regel, die Hunde erfasst, die auf keiner Liste stehen
Nordrhein-Westfalen fährt neben seiner Liste eine zweite Regelung, die mit Rasse nichts zu tun hat. Nach dem Landeshundegesetz ist ein Hund ab 40 cm Widerristhöhe oder ab 20 kg ein großer Hund und bringt eigene Pflichten mit: Sachkundenachweis, Versicherung, Anmeldung — unabhängig davon, was er ist.
Da ein Labrador beide Schwellen locker reißt, erfasst das im bevölkerungsreichsten Bundesland weit mehr Hunde als die Rasseliste je erfasst hat. Wer mit einem großen, vollkommen unauffälligen Hund nach NRW zieht, sollte genau diesen Paragrafen lesen.
Niedersachsen verlangt dafür etwas von allen
Niedersachsen hat die Rasseliste gestrichen und dafür eine Pflicht eingeführt, die jede Ersthalterin und jeden Ersthalter trifft: den Hundeführerschein. Seit dem 1. Juli 2013 muss jede Person, die zum ersten Mal einen Hund anschafft, Sachkunde in Theorie und Praxis nachweisen — unabhängig von Rasse, Größe und Gewicht.
Die Theorieprüfung kommt vor dem Hund. Die Praxis folgt im ersten Jahr, sobald der Hund mindestens sechs Monate alt ist, und wird teils in reizarmer Umgebung, teils in der Stadt abgenommen. Es ist das klarste Beispiel für die Richtung, in die sich das ganze Land bewegt: weg von der Frage, was der Hund ist, hin zu der Frage, was die Person am anderen Ende der Leine kann.
Fragen
Gibt es in Deutschland eine bundesweite Liste gefährlicher Hunde?
Nein. Hundrecht ist Landesrecht, es gibt also sechzehn Regelwerke. Bundesweit gilt nur das HundVerbrEinfG, das die Einfuhr von Pitbull-Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier sowie ihren Kreuzungen verbietet.
Welche Bundesländer haben keine Rasseliste?
Fünf: Schleswig-Holstein hat seine 2016 gestrichen, Thüringen 2018, Mecklenburg-Vorpommern 2022 und Brandenburg 2024. Niedersachsen führt seit dem Gesetz von 2011 keine.
Was ist ein Wesenstest und was bringt das Bestehen?
Eine Verhaltensprüfung durch amtlich bestellte Tierärztinnen oder Sachverständige. Bei einem Hund der Kategorie 2 räumt das Bestehen die Gefährlichkeitsvermutung in der Regel aus und kann ein Negativzeugnis bringen — meist ohne Maulkorbzwang und in vielen Kommunen mit dem normalen statt dem erhöhten Steuersatz.
Kann ein Hund der Kategorie 1 durch einen Test von der Liste?
Nein. Kategorie 1 ist eine Vermutung, die das Gesetz nicht widerlegen lässt. Der Test hilft nur Hunden der Kategorie 2 — genau dafür gibt es die Zweiteilung.
Wird mein Hund zum Listenhund, wenn ich in ein anderes Bundesland ziehe?
Das kann in beide Richtungen passieren. Es zählt die Liste des Landes, in dem du wohnst — ein Umzug kann Pflichten hinzufügen oder wegnehmen. Prüfe die Verordnung des Ziellandes vor dem Umzug, nicht danach.
Ist eine Hundehaftpflicht in Deutschland Pflicht?
Für alle Hunde in sieben Ländern: Berlin, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Sonst gilt sie für Listenhunde und amtlich als gefährlich eingestufte Hunde — in Nordrhein-Westfalen zusätzlich für jeden Hund ab 40 cm oder 20 kg.
Zuletzt am 12.08.2026 anhand der Quellen unten geprüft.